Die Fotografien von Jochen Hoops zeichnen sich vor allem durch ihre ruhige Anmut aus. Dadurch wirken selbst Motive von knallharten Profi-Rennen wie Paris-Roubaix unaufgeregt spannend. Wie ein schwarzweißes Leuchtfeuer stechen sie aus der sportfotografischen Bilderflut heraus und zeigen einen anderen, ja fast schon romantischen Blickwinkel auf den Sport. Ein guter Grund, sich mit dem sympathischen Wahl-Pariser zu unterhalten; über Fotografie, Passion und Radkultur.

Interview: Max Marquardt / Fotos: Jochen Hoops / Titel: Marshall Kappel

CLEAT: Wie ist es dazu gekommen, dass du zwei Jahrzehnte in Frankreich verbracht hast?

Jochen: Ich bin nach meiner Jugendzeit in Hamburg nach Frankreich gegangen, um dort für eine begrenzte Zeit Französisch zu lernen. Weil es mir dort aber doch sehr gut gefallen hat, wurden 20 Jahre daraus. Als junger Mann kann man sich schnell in Paris verlieben.. also in die Stadt meine ich.

Wie kam das Thema Fotografie in dein Leben?

Ich habe Fotografie gelernt und nach dem Studium auch in der Branche gearbeitet. Ich entschied mich allerdings dagegen, selbst als Fotograf zu arbeiten und bin ich recht schnell auf die kommerzielle und organisatorische Seite gewechselt. Also das Repräsentieren von Fotografen und die Organisation von Fotoproduktionen, wie ich es auch jetzt noch mache.

Fährst du Rad um zu fotografieren oder ist es andersrum?

Sowohl das Radfahren, als auch die Fotografie sind meine großen Passionen. Diese beiden Leidenschaften kann ich gut miteinander verknüpfen. Die Kamera habe ich wieder in die Hand genommen, da ich mit dem Radfahren ein mich inspirierendes Sujet gefunden hatte.  Ich wollte Ausfahrten, Abenteuer und Erlebnisse dokumentieren und teilen. Die meisten Fotos, die ich so mache, sind vom Sattel aus geschossen. Das heißt, dass es eher ein spontaner Prozess ist, ein Augenblick oder eine Situation. In Paris hatte ich eine nette Crew, mit denen ich gerne zusammen gefahren bin und auch immer noch in Kontakt bin. Das hat sich dann eben so entwickelt, dass ich da immer meinen Apparat dabei hatte.

Viele deiner Arbeiten strahlen eine gewisse Ruhe, ja Sanftheit aus. Kompositorisch ähneln sie teilweise Sergio Larrains frühen Werken, oder denen von Philipp J. Griffiths. Hast du ein Vorbild in der Fotografie?

Nun, ich habe nicht unbedingt ein Vorbild als solches. Es gibt Fotografen die mir gut gefallen, ja. Von Berufswegen sehe ich mir aber generell viele Arbeiten an, man beschäftigt sich einfach viel mit Fotografie. Das affektiert natürlich in gewisser Weise auch die eigene Herangehensweise. Dabei stelle ich meist sehr schnell fest, welche Bildkomposition oder Lichtsituation gut für mich funktioniert. Ich möchte mit meinen Fotos nicht vorrangig ein Produkt zeigen, sondern ein Gefühl vermitteln.

Kameras und Ausrüstung werden immer erschwinglicher, die Postproduktion auch für Laien zugänglicher und Instagram bombardiert uns tagtäglich an Tonnen von visuellen Reizen.  Viele hauptberufliche Fotografen jammern und schimpfen über diese Entwicklung. Wie siehst du das?

Ach, ich empfand das am Anfang schon auch als ein wenig irritierend. Ich habe da verschiedene Phasen durchgemacht. Fotograf ist ja letztendlich ein Beruf und der Unterschied zwischen Profi und Nicht-Profi bleibt recht erkennbar. Einem professionellen Fotografen kann die Marke genau sagen, was sie haben will und der setzt das dann so um. Bei einem Nicht-Profi ist das Ergebnis oft ein Zufallsprodukt. Das spiegelt sich dann gegebenenfalls auch im Output wider. Instagram ist sicherlich ein attraktives Werbemittel für viele Marken, für gute Fotos muss man aber auch dort investieren um sich abzuheben.

Mit welcher Kamera und welchem Objektiv fotografierst du am liebsten?

Für das Fotografieren während des Radfahrens, ist für mich eine Kamera wie die Fuji X100S recht praktikabel, weil sie klein, robust und mit seinen externen Einstellrädern einfach zu handhaben ist. Ansonsten fotografiere ich auch mit der Fuji XT2 und einem 50mm Objektiv. Auch aus einem praktischen Grund: wenn ich durch den Sucher gucke beim Radfahren, dann ist mir das mit den Abständen ganz lieb, weil die nicht verzerrt sind. Andernfalls landet man bei hohem Tempo leicht im Straßengraben..

Ist dir das denn schon mal passiert?

Noch nicht…aber fast (lacht).

Seit kurzem bist du wieder zurück in Hamburg. Wie ist es radtechnisch hier für dich?

In Frankreich bin ich recht viel gefahren. Auch auf einem ganz guten Niveau. Von Paris aus ist man ja auch schnell in den Bergen oder zum Beispiel im Massif Central. Ein tolles Land zum Radfahren. Hier in Hamburg habe ich jetzt noch nicht so wirklich meine Crew gefunden, die ähnliche Vorstellungen vom Radfahren hat, wie ich es bis jetzt erfahren und schätzen gelernt habe. Das ist aber sicherlich eine Frage der Zeit oder auch eine kulturelle Sache.

Radsport ist in Frankreich, wie auch in Belgien und Italien natürlich fast schon Kulturgut…

Neben dem sportlichen Aspekt, der Affinität zur Radkultur und dem Erleben neuer Landschaften, bedeutet Radfahren für mich auch Freundschaft und die gemeinsame Entdeckungsreise. Ich fahre selbst sportlich, muss aber nicht fortwährend alles aufzeichnen oder präzise Trainingspläne festlegen. Trainiert zu sein ist natürlich grundsätzlich von Vorteil, um neben der sportlichen Anstrengung, das Erlebnis auch genießen zu können und zum Beispiel genug Puste zu haben, um nebenbei zu fotografieren.

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